KZ-Überlebender Max Mannheimer zu Gast
Max Mannheimer, assistiert von Katharina Schuppe aus der Klasse 9a
„Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah, aber dafür, dass es nie wieder geschieht.“
Der mittlerweile 90-jährige Max Mannheimer, einer der bekanntesten Zeitzeugen und Holocaustüberlebenden, zog von Beginn an die Schüler der 9. und 10. Klassen der Hauptschule in seinen Bann.
Geschichte greifbar zu machen, Geschichte mit individuellen Schicksalen zu verknüpfen – allesamt hehre Ziele, die leider im alltäglichen Unterricht nicht immer leicht zu verwirklichen sind. Mit seiner beeindruckenden Vita sowie seinem humorvollen und intensiven Vortragsstil gelang dies Herrn Mannheimer spielend.
Er bemühte sich sehr schülernah um eine Auffrischung der Geschichtskenntnisse („Ihr wisst ja, das Zeichen der Feldherrnhalle in München sah aus wie das von Mc Donald´s, nur mit einem Bogen mehr!“) Immer wieder verteilt er Punkte für korrekte Antworten und spricht die Schüler wahlweise auf polnisch, russisch, kroatisch, ungarisch oder türkisch an. Diese – unerwarteten - humorvollen Elemente seines Vortrags verbunden mit den – eher zu erwartenden – eindrücklichen Schilderungen des KZ-Alltages sicherten die gebannte Aufmerksamkeit der Schüler.
1920 im heutigen Tschechien geboren berichtete er von der lebensrettenden Lüge seiner Mutter – sie hatte ihn ein Jahr jünger gemacht und somit dem Zugriff der Gestapo entzogen - im Zuge der Zerstörungen und Verhaftungen rund um die Reichskristallnacht. Anfang Februar 1943 steht er gemeinsam auf der Rampe in Auschwitz-Birkenau, wird als arbeitsfähig eingestuft und muss den Tod seiner Eltern und einigen Geschwistern miterleben. Eine Stecknadel hätte man immer in den Momenten fallen hören können, in denen Max Mannheimer von Augenblicken erzählte, in denen er dem Tod nur knapp von der Schippe gesprungen war. „Sie sind eine echte Führungspersönlichkeit, ich bewundere den Respekt, der Ihnen entgegengebracht wird.“ Honig um das Maul des KZ-Aufsehers, in diesem Falle lebensrettend. Bei seiner Befreiung am 30.April 1945 durch die Amerikaner hatten nur er und sein Bruder Edgar den Holocaust überlebt.
Natürlich kamen auch die Schüler mit ihren Fragen zu Wort. Aufgrund einer leichten Schwerhörigkeit von der 9.Klässlerin Katharina charmant assistiert wurde Herr Mannheimer bei der Frage nachdenklich, was ihn denn dazu bewogen hätte, weiterhin in Deutschland wohnhaft zu bleiben. Ehrlich gab er zu, dass er sich nie hätte vorstellen können, in ein Land jemals zurückzukehren, das Leute aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit in Gaskammern steckt. Doch die Liebe trieb ihn bereits im November 1946 zurück, ebenso wie die ihm seines Erachtens angeborene Naivität und der Wille an das Gute im Menschen zu glauben.
Den Schülern gab Mannheimer augenzwinkernd noch den Rat auf den Weg: „Ich war ein fauler Schüler, mein Wissen ähnelte einem Emmentaler Käse. Das Fundament muss aber stimmen, Wissen ist das wichtigste Kapital überhaupt !“
Am 31.März ist sein Film „Der weiße Rabe“ im TV zu sehen, im Café Bernstein sind Bilder von ihm ausgestellt. Mannheimer hatte aus therapeutischen Gründen das Malen begonnen.
Text: Stefanie Rosa & Jochen Sedler
Fotos: Jochen Sedler